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17.09.2019 erstellt von: Thorsten Fogelberg


Straßenraum fair aufteilen: ADFC stellt Forderungen für ein fahrradfreundliches Bad Homburg vor

Der ADFC Bad Homburg/Friedrichsdorf hat heute dem Oberbürgermeister der Stadt Bad Homburg, Alexander W. Hetjes, sowie allen Stadtverordneten und Ortsbeiräten seine Forderungen für eine fahrradfreundliche Stadt übermittelt. Der ADFC ist der Meinung, dass die bisherigen Anstrengungen der Stadt nicht ausreichen, um nach dem schlechten Abschneiden im letzten ADFC-Fahrradklima-Test signifikant aufzuholen. Bad Homburg hatte bekanntlich den letzten Platz aller Städte in Hessen belegt. Auch im Rahmen des Stadtentwicklungskonzepts „Forum Bad Homburg 2030“ wurde von den Bürgern der starke Wunsch nach einer deutlich verbesserten Radverkehrsinfrastruktur geäußert.


Mit der Umsetzung der vom ADFC erarbeiten Maßnahmen soll Bad Homburg eine fahrradfreundliche Stadt werden. „Wir haben uns bei unserer Arbeit sehr stark an dem orientiert, was Darmstadt und Frankfurt mit den Initiatoren der Radentscheide vereinbart haben.“ sagt Ralf Gandenberger, Sprecher des Arbeitskreises Radverkehr des ADFC Bad Homburg. Die in den Nachbarstädten getroffenen Abmachungen wurden dort zwischenzeitlich auch von den städtischen Gremien angenommen.

Sichere Radinfrastruktur für alle Altersklassen

Ziel des ADFC ist, eine deutlich sicherere Radinfrastruktur für alle Altersklassen, insbesondere aber für Schulkinder und Senioren zu schaffen. Auf diese Weise werde der Anteil des Radverkehrs am Gesamtverkehrsaufkommen signifikant steigen, ist sich Bernhard Wiedemann, Verkehrspolitischer Sprecher des ADFC Bad Homburg, sicher. Studien hätten gezeigt, dass bei guter Radverkehrsinfrastruktur ca. 60 % der derzeit Auto fahrenden bereit sind, auf das Fahrrad umzusteigen, zumal 25 % der mit dem Auto zurückgelegten Entfernungen unter 2 Kilometern und 50% unter 5 Kilometern liegen. Weniger Autoverkehr erhöhe die Lebensqualität in der Stadt und leiste einen Betrag zur Luftreinhaltung, zumal der Status als Kurstadt derzeit wieder überprüft werde.

Vom Autoverkehr getrennte Radverkehrsanlagen mit einer Breite von mindestens 2,30 m

Priorität hat für den ADFC, dass möglichst vom motorisierten Verkehr getrennte innerstädtische Fahrradtrassen eingerichtet werden, die sich an den Routen der Schülerinnen und Schüler und den Fahrrad-Pendlerströmen orientieren. Diese Trassen sollen die Schulen mit den Wohngebieten verbinden und sicheres Radfahren zwischen den Stadtteilen, vom Bahnhof in die Innenstadt und in die Stadtteile ermöglichen.

Die Stadt Bad Homburg wird aufgefordert, an Hauptverkehrsstraßen pro Kalenderjahr mindestens 2 km neue Radverkehrsanlagen mit einer Mindestbreite von 2,30 m zu schaffen bzw. alte umzubauen. Sie dürften nicht unterbrochen werden und sollten durch bauliche Maßnahmen von anderen Verkehrsarten getrennt sein. Weiterhin sollen pro Kalenderjahr mindestens 2 km geeignete Nebenstraßen für den Radverkehr attraktiv umgestalten werden. Dies soll bevorzugt vor Kitas und Schulen, in Wohngebieten und Bereichen mit hoher Verkehrsdichte geschehen. Nebenstraßen sind z.B. dann fahrradfreundlich, wenn sie als Fahrradstraßen ohne KFZ-Durchgangsverkehr ausgestaltet sind, über Aufpflasterung von Einmündungen verfügen oder Sichtachsen freigehalten werden. „Gerade für Schülerinnen und Schüler führt die Schaffung von Sackgassen oder die Sperrung von Straßen für den Durchgangsverkehrs zu einer deutlichen Erhöhung der Sicherheit“ sagt Nadja Vomhof, Mitglied in der Arbeitsgruppe Radinfrastruktur des ADFC und Mutter von zwei radelnden Schülerinnen.

Konkrete Vorschläge des ADFC, den Straßenraum fair aufzuteilen

Der ADFC macht auch konkrete Vorschläge, welche Straßen und Quartiere zuerst umgestaltet werden sollten. In den vergangenen Wochen wurde in den städtischen Gremien bereits intensiv über die Vorschläge des ADFC zur Verkehrsführung „Rund um das Vickers-Areal“ diskutiert. „Das Gebiet hat eine hohe Relevanz für den Schülerverkehr und für Pendler vom Bahnhof und in das Gewerbegebiet. Außerdem setzen unsere Ideen das neue Regiebuch der Stadt konsequent um. Daher ist es umso erstaunlicher, dass unsere Vorschläge abgelehnt wurden“, wundert sich Klaus Stocker von der Arbeitsgruppe Radinfrastruktur. „Wir bleiben aber dran.“

Weil sichere Schulwege so wichtig sind, schlägt der ADFC u.a. die Umgestaltung der Urseler Straße, des Hessenrings und des Hindenburgrings vor. Der Umbau dürfe jedoch nicht zu Lasten des ÖPNV oder der Fußgänger gehen. „Unsere Forderungen sind aber auch nicht gegen den Autoverkehr gerichtet“, stellt Thorsten Fogelberg vom ADFC klar, „aber wir müssen den vorhandenen Straßenraum fair zwischen allen Verkehrsteilnehmern aufteilen. Die Verkehrspolitik der letzten 70 Jahre hat einseitig das Auto bevorzugt, das muss jetzt korrigiert werden.“

Die meisten Unfälle mit Radfahrern passieren beim Abbiegen, hier gibt es auch die schwersten Verletzungen. Daher fordert der ADFC, dass die Stadt Bad Homburg mindestens eine Kreuzung pro Kalenderjahr fußgänger- und fahrradsicher umbaut. Dabei sollen auch Kreuzungsvarianten nach Kopenhagener und niederländischem Vorbild in die engere Planung einbezogen werden. Vorrangig wird der Umbau der Kreuzungen Urseler Straße – Jacobistraße – Feldbergstraße, Urseler Straße – Hindenburgring – Hessenring und Hindenburgring – Dietigheimer Straße – Ritter-von-Marx-Brücke – Saalburgstraße vorgeschlagen.

Um die Attraktivität des Radverkehrs zu erhöhen, schlägt der ADFC zusätzlich vor, die Ampelschaltungen zu verbessern sowie grüne Wellen und Vorrangschaltungen für Radfahrer einzuführen. „Dies verkürzt die Wartezeiten deutlich und führt dazu, dass Radfahrer an roten Ampeln anhalten und nicht über Gehwege ausweichen. Wir wollen, dass auch Radfahrer die Verkehrsregeln einhalten“, betont Bernhard Wiedemann vom ADFC.

Drei Millionen Euro für die nächsten zwei Jahre

„Dies ist alles nicht zum Nulltarif zu haben“, weiß Ralf Gandenberger. „Daher haben wir der Stadt und den Kommunalpolitikern ganz konkrete Vorschläge gemacht, wie unsere Forderungen im anstehenden Doppelhaushalt 2020/21 berücksichtigt werden sollten“. Der ADFC fordert € 3 Millionen für Planung und Bau der o.a. Maßnahmen für die nächsten beiden Jahre. Das Land Hessen bezuschusse den Ausbau guter Radverkehrsinfrastruktur derzeit mit i.d.R. 70 %, wodurch sich der zunächst hoch klingende Betrag wieder relativiere. Um diese Mittel auch qualifiziert abrufen und die erforderlichen Detailplanungen und Umsetzungen durchführen zu können, rechnet der ADFC mit einem personellen Mehrbedarf in der Stadtverwaltung von fünf Stellen. Nun seien die Politiker und die Stadtverwaltung am Zug, der ADFC stehe für konstruktive Gespräche und zur Erläuterung seiner Forderungen jederzeit zur Verfügung.

Die Forderungen des ADFC können auf dessen Internetseite unter www.adfc-bad-homburg.de abgerufen werden.



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