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16.03.2021 13:00erstellt von: Thorsten Fogelberg


Ergebnis ADFC Fahrradklima-Test 2020 Bad Homburg

Foto des Radweges am Hindenburgring

Bad Homburg holt auf und kann rote Laterne abgeben, Sicherheitsgefühl der Radfahrenden aber weiter sehr gering

Beim heute in Berlin vorgestellten Fahrradklima-Test des ADFC landete Bad Homburg mit der Note 4,09 bundesweit auf Platz 65 von 110 der fahrradfreundlichsten Städte zwischen 50.000 und 100.000 Einwohnern. 477 Bad Homburger haben an der bundesweiten Befragung teilgenommen. Dies sind 67 % mehr als 2018 und mehr als viermal so viele wie 2016 (130). Allein diese Steigerung zeigt den Bedeutungszuwachs des Radverkehrs in Bad Homburg.


Nachdem Bad Homburg beim letzten Fahrradklimatest noch Schlusslicht in Hessen war (Note 4,54), konnte sich die Kurstadt diesmal bei allen Fragen verbessern. Die deutlichste Steigerungen gab es bei den Fragen zur Fahrradförderung in jüngster Zeit (von 5,1 auf 3,7), geöffnete Einbahnstraßen (von 4,4 auf 3,1) und Werbung für das Fahrrad (von 5,2 auf 4,2). „Das zeigt das Bemühen der Stadt, etwas für den Radverkehr zu tun“, kommentiert Ralf Gandenberger, Verkehrspolitischer Sprecher des ADFC Bad Homburg/Friedrichsdorf. Insgesamt habe sich die Stimmung der Teilnehmenden aufgehellt. Es zeigt sich aber auch, dass weiterhin die Sicherheit der Radelnden als sehr schlecht eingestuft wird. So wird die Breite der Radwege mit der Note 5, die Führung an Baustellen mit 4,7, die Ampelschaltungen für Radfahrer und das Sicherheitsgefühl mit 4,6 sowie Konflikte mit Kfz mit 4,5 bewertet.

Auch in diesem Jahr haben viele Radfahrende neben der Beurteilung von vorgegebenen Fragen mit Schulnoten Anmerkungen zur Fahrradsituation in Bad Homburg gemacht. Insgesamt gaben über 250 Teilnehmende Kommentare ab. Sehr häufig wurde festgestellt, dass Bad Homburg trotz kleiner Verbesserungen weiterhin eine Autofahrerstadt sei und die Zahl großer SUV deutlich zugenommen habe. Das Verhalten der Autofahrer führe immer wieder zu Konflikten. Für den Radverkehr werde zu wenig Platz zur Verfügung gestellt.

Ein weiteres Hauptthema war auch hier die Freigabe von Einbahnstraßen für Radfahrende in Gegenrichtung. Es wurde sehr häufig bemängelt, dass der Straßenraum zu knapp sei und aufgrund der vielen Parkplätze Ausweichstellen fehlten. „Die Freigabe der Einbahnstraßen ist eine lange Forderung des ADFC, das wird durch die deutliche Notenverbesserung in diesem Bereich auch honoriert“, sagt Ralf Gandenberger hierzu, „allerdings wird zur Recht von den Teilnehmenden kritisiert, dass die Freigaben nicht durch umfangreiche Informationskampagnen begleitet wurden. Viele Radelnde teilten mit, dass Autofahrer bei entgegenkommenden Radfahrern häufig ein Fehlverhalten vermuteten.“

Ein besonderes Augenmerk legten die Teilnehmenden auch auf die Sicherheit der Schulwege. Hier werden insbesondere die Wege auf dem Hindenburgring und der Urseler Straße bemängelt, aber auch der Glucksteinsteinweg zur GaG wurden erwähnt. Viele Eltern meinten, dass sie Ihre Kinder auf den engen Radwegen nicht fahren lassen könnten.

Der Wegfall der Fahrradwege in der unteren Louisenstraße und der Schönen Aussicht wurde sehr häufig angesprochen. Viele Menschen meinten gar, durch die Aktivitäten der Stadt hätte sich die Situation der Radfahrenden eher verschlechtert, da sie jetzt auf der Straße bei starkem Verkehr mit vielen Bussen fahren müssten. Die dort aufgezeichneten Piktogramme seien kein Ersatz für sichere Radwege. Hier müsse die Stadt sehr schnell Abhilfe schaffen.

Ralf Gandenberger ist über die Anmerkungen nicht verwundert: „Es wurde gerade vor der Kommunalwahl einiges publikumswirksam dargestellt, auf die wesentlichen Schritte für die Verkehrssicherheit warten wir allerdings noch. Leider fühlen sich weiterhin viele Bad Homburger auf dem Rad unwohl und nicht ernst genommen. Wir brauchen Platz für gute Radwege und ein zusammenhängendes Radwegenetz. Der ADFC hat seine Forderungen für ein fahrradfreundliches Bad Homburg gerade überarbeitet, sie können auf unserer Homepage abgerufen werden (https://www.adfc-bad-homburg.de/2020_Forderungen_Bad_Homburg).
Bitte sprechen Sie ihre gerade gewählten Vertreter in der Stadtverordnetenversammlung und in den Ortsbeiräten auf bessere Bedingungen für Radfahrende an.“

Rekord: Rund 230.000 Teilnahmen, 1.024 Städte in der Wertung
Der ADFC-Fahrradklima-Test ist die größte Befragung zur Zufriedenheit der Radfahrenden weltweit. Er wird vom Fahrradclub ADFC alle zwei Jahre mit Unterstützung des Bundesverkehrsministeriums durchgeführt und fand 2020 zum neunten Mal statt. Rund 230.000 Radfahrerinnen und Radfahrer haben bei diesem Durchgang abgestimmt, davon nur 15 Prozent ADFC-Mitglieder. 1.024 Städte kamen in die Wertung, mehr als jemals zuvor. Bei den 27 Fragen ging es darum, ob man sich auf dem Rad sicher fühlt, wie gut die Radwege sind und ob die Stadt in Zeiten von Corona das Fahrradfahren besonders fördert. Damit fundierte Ergebnisse erzielt werden, müssen pro Stadt mindestens 50, bei größeren Städten mindestens 75 beziehungsweise 100 Abstimmungsergebnisse vorliegen. Die Ergebnisse des Tests haben durch die breite Bürgerbeteiligung hohe Aussagekraft und können Kommunen helfen, das Angebot für Radfahrende gezielt zu verbessern.



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