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09.04.2019 13:05erstellt von: Thorsten Fogelberg


„Bad Homburg – eine wunderschöne Stadt, die Radfahrer nicht mag“

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Beim heute in Berlin vorgestellten Fahrradklima-Test des ADFC landete Bad Homburg mit der Note 4,54 bundesweit auf Platz 102 von 106 der fahrradfreundlichsten Städte zwischen 50.000 und 100.000 Einwohnern. 285 Bad Homburger hatten an der bundesweiten Befragung teilgenommen. Dies sind mehr als doppelt so viele wie 2016 (130). Allein diese Steigerung zeigt den Bedeutungszuwachs des Radverkehrs in Bad Homburg.


Mit diesem Ergebnis ist Bad Homburg Schlusslicht in Hessen über alle Größengruppen hinweg und belegt Platz 71 von 71 Städten, die die Auswertungskriterien erfüllt haben. Bis auf die Frage zu der Öffnung der Einbahnstraßen in Gegenrichtung hat sich die Beurteilung in allen Bereichen verschlechtert.

Der Sprecher des Arbeitskreises Radverkehr des ADFC Bad Homburg/Friedrichsdorf, Ralf Gandenberger, sagt: „Dies ist ein erschütterndes Ergebnis, deckt sich aber mit der Wahrnehmung des ADFC zur Radverkehrsinfrastruktur in Bad Homburg. Fahrradfreundlichkeit ist ein wichtiger Standortfaktor für attraktive Städte – deshalb macht uns Sorgen, dass sich die Bad Homburger auf dem Rad nach wie vor unwohl fühlen. Der Fahrradklima-Test zeigt bei anderen Städten, dass kontinuierliche Radverkehrsförderung honoriert wird und sich in einem guten Verkehrsklima niederschlägt. Wenn Bad Homburg will, dass mehr Menschen aufs Rad steigen und die Stadt von unnötigen Autofahrten entlasten, dann muss deutlich mehr passieren. Wir brauchen Platz für gute Radwege, ein zusammenhängendes Radwegenetz und ausreichend Fahrradparkplätze an Haltestellen, Einkaufsstraßen und öffentlichen Gebäuden!“

Neben der Beurteilung von vorgegebenen Fragen mit Schulnoten nutzten über 160 Teilnehmer des Fahrradklima-Tests auch die Möglichkeit, insgesamt knapp 290 Anmerkungen zur Fahrradsituation in Bad Homburg zu machen.
„Katastrophal“ war ein häufig benutztes Adjektiv, ein Teilnehmer brachte die Situation prägnant auf den Punkt: „Bad Homburg – eine wunderschöne Stadt, die Radfahrer nicht mag“. Allein 85 Teilnehmer bemängelten, dass es viel zu wenige Radwege gebe und der Ausbau guter Radwege außerordentlich dringend sei, insbesondere an großen Straßen, vom und zum Bahnhof sowie zur Innenstadt aus allen Richtungen. 30 Teilnehmer fordern eine zügige Umsetzung des von den städtischen Gremien beschlossenen Radverkehrskonzepts. Auch die Beschaffenheit der wenigen vorhandenen Radwege wurde als teilweise schlecht angesehen, da sie zu schmal (Schulnote 5,1) oder der Belag schlecht (Note 4,5) seien.

Ein besonderes Augenmerk legten die Teilnehmer auch auf die Sicherheit der Schulwege. Hier erhielt Bad Homburg mit der Schulnote 4,9 ein „mangelhaft“, die Bürger haben einhellig festgestellt, dass das Fahrradfahren für Schulkinder in Bad Homburg sehr gefährlich ist und viele Teilnehmer gaben an, dass sie ihre Kinder deshalb nicht mit dem Rad zur Schule fahren ließen.

Sehr häufig wurde wiederum die Öffnung der Fußgängerzone für den Radverkehr gefordert. Gleichfalls im Fokus standen die Parks und die Öffnung von Einbahnstraßen. Bei der Öffnung der Einbahnstraßen in Gegenrichtung für Radfahrer hat sich zwischenzeitlich eine Verbesserung gezeigt. Nachdem der ADFC Bad Homburg/Friedrichsdorf der Stadt eine Liste aller Einbahnstraßen übergeben hat, wurden seit November 2018 weitere 23 Einbahnstraßen tatsächlich freigegeben oder deren Freigabe von der Straßenverkehrsbehörde angeordnet. Die zeigt nach Auffassung von Ralf Gandenberger, dass sich durch konstruktive Zusammenarbeit zwischen dem ADFC und der Stadt Bad Homburg etwas bewegen lässt. „Allerdings warten wir jetzt auf die schon mehrfach beschlossene Freigabe des Schulbergs für Radfahrer in Gegenrichtung der Einbahnstraße. Hier können wir leider noch keine Fortschritte erkennen und hoffen, dass diese wichtige Maßnahme nicht erneut
verschleppt wird“.

Zusammengefasst fühlen sich viele Bad Homburger als Radfahrer nicht ernst genommen, weil nur für Autos geplant werde. Man wünscht sich auch eine intensive Unterstützung des Radverkehrs durch die Stadt, die Imagepflege für das Fahrrad betreiben und die Bad Homburger zur häufigeren Fahrradnutzung animieren sollte. Ralf Gandenberger hierzu: „Wir hoffen, dass sich durch die neue Radverkehrsbeauftragte in Bad Homburg einiges positiv verändert und Bad Homburg zukünftig nicht mehr als reine Autofahrerstadt wahrgenommen wird. Allerdings muss sich die Geschwindigkeit deutlich erhöhen.“

Bundesweiter Trend: Sicherheitsgefühl beim Radfahren immer schlechter
Das bundesweite Gesamtergebnis des ADFC-Fahrradklima-Tests 2018 ist leider wenig erfreulich. Das Fahrradklima, also die Zufriedenheit der Radfahrenden, hat sich in den vergangenen Jahren immer weiter verschlechtert, ebenso das Sicherheitsgefühl. Die Radfahrerinnen und Radfahrer bewerten die Fahrradfreundlichkeit ihrer Städte im Durchschnitt mit der Note 3,9. Falschparker auf Radwegen, die schlechte Führung des Radverkehrs an Baustellen und die fehlende Breite von Radwegen sind die am meisten kritisierten Probleme. Drei Viertel der Befragten gaben an, dass man Kinder nur mit schlechtem Gefühl allein mit dem Rad fahren lassen kann.

ADFC startet bundesweite Kampagne und fordert #MehrPlatzFürsRad
Das Unsicherheitsgefühl der Radfahrerinnen und Radfahrer und die wachsende Unzufriedenheit mit der Rad-Infrastruktur nimmt der ADFC im 40. Jahr seines Bestehens zum Anlass, eine bundesweite Kampagne für #MehrPlatzFürsRad zu starten. Der Vorsitzende des ADFC Hochtaunus, Günther Gräning, hierzu: „Die Stadt Bad Homburg hat das Projekt „Fortschreibung Radverkehrskonzept“ mit dem Ziel initiiert, den Anteil des Radverkehrs am Gesamtverkehrsaufkommen zu steigern. So etwas wird ohne eine Umverteilung des Verkehrsraums weg vom Auto nicht gehen. Außerdem fehlen konkrete Ziele, welchen Anteil der Radverkehr im Verkehrsmix erreichen soll und wie dieses Ziel wann erreicht werden soll.“ Mehr Informationen auf www.mehrplatzfuersrad.de

170.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer bundesweit
Der ADFC-Fahrradklima-Test ist die größte Befragung zum Radfahrklima weltweit und wurde im Herbst 2018 zum achten Mal durchgeführt. Er wird durch das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) aus Mitteln zur Umsetzung des Nationalen Radverkehrsplans 2020 mit rund 195.000 Euro gefördert. Rund 170.000 Menschen stimmten bundesweit ab – eine Steigerung von 40 Prozent gegenüber dem letzten Test. Die Zunahme führt der ADFC auf das wachsende Interesse am Thema Fahrrad und Radverkehr zurück.

Über den ADFC
Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club e.V. (ADFC) ist mit mehr als 175.000 Mitgliedern die größte Interessensvertretung der Radfahrerinnen und Radfahrer in Deutschland und weltweit. Die detaillierten Ergebnisse des Fahrradklima-Tests 2018 finden Sie auf www.fahrradklima-test.de



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